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Kontrollierte Zerrspiele: Ein Ungewöhnlicher Verstärker

By pos4015
Created 10/16/2009 - 17:02

Übersetzt von Marion Meyerolbersleben
Original: http://www.clickertraining.com/node/727 [1]

Viele Hunde lieben Zerrspiele. Den meisten, die es nicht mögen, lässt es sich das Spielen beibringen, so dass sie es am Ende sogar lieben. Und was macht ein Clickertrainer damit, dass ein Hund eine Beschäftigung liebt? Natürlich, er nützt es als einen starken Verstärker für andere Verhaltensweisen.

Es gibt so viele Mythen und Ammenmärchen über Zerrspiele mit Hunden. Es gibt Leute, die behaupten, dass Zerrspiele die Aggression, das Beißverhalten und "Dominanz" fördern. Richtig ist, dass das Spiel von unkontrollierten Zerrspiele tatsächlich zu Verhaltensproblemen führen kann. Genau das Gegenteil tritt aber vermutlich ein, wenn Sie die Zerrspiele in kontrollierter Form durchführen.

Ein Nebeneffekt dieses sehr kraftvollen Verstärkers ist, dass kontrollierte Zerrspiele ein Training für den Körper und Geist des Hundes ist. Durch dieses Spiel können einige wichtige grundlegende Verhaltensweisen geschult werden (z.B. Selbstkontrolle, Halten sowie Hergeben von Gegenständen im Maul) und es ermöglicht dem Hund außerdem hervorragend das Ausleben von angeborenen Trieben. Wenn Sie lernen, wie Sie Ihrem Hund Zerrspiele beibringen und sie mit ihm spielen können, lernen Sie, Aspekte der Hunde-Verhaltensforschung mit dem Behaviorismus praktisch und unterhaltsam zu verbinden!

Los Gehts

Suchen Sie sich ein geeignetes Zerrspielzeug aus. Für den Anfang verwenden wir meist einen sauberen Lappen. Letztlich werden wir sogar zwei Lappen nehmen. Sie werden gleich wissen, warum.

Bei einem Zerrer, der eher keine Initiative zeigt, müssen wir den Beutetrieb erst einmal anfeuern. Wie können wir das tun? Wir lassen unsren Lappen zappeln als wäre es eine Beute. Würde eine Beute jemals zu dem Jäger hinspringen? Niemals! Beute bewegt sich immer weg vom Jäger. Ihr Welpe ist der Jäger. Lassen Sie den Lappen sich daher immer vom Welpen bewegen und nie zu ihm hin. Wenn sich Beute in Richtung Jäger bewegen, würde sich dieser vielleicht ein wenig bedroht fühlen und sich defensiv verhalten. Genau das wollen wir aber vermeiden, da das Spiel damit sehr schnell zu Ende wäre.

Beute hält den Jäger auch gerne im Ungewissen, so dass er unsicher ist, wann er zuschlagen und töten kann. Aus diesem Grund wechselt die Beute häufig die Richtung - aber immer weg vom Haustier-Jäger.

Es gibt Hunde, die auf das kleinste Zucken des Lappens sofort in das Spiel einsteigen. Andere brauchen mehr Energieeinsatz und Enthusiasmus - stellen Sie sich also auf einen schweißtreibenden Einsatz ein.

Some dogs will play this game with just the slightest wiggle of the rag, others demand you put a bit of energy and enthusiasm into it-so be prepared to work up a sweat. Wir können nicht das ganze Clickertraining vom Sofa aus während der Fernsehwerbungspausen durchführen.

Ihr Haustier-Räuber muss das Spiel auf jeden Fall gewinnen und die Beute fangen, um im Spiel zu zerren - machen Sie Ihre Beute ein bisschen verletzt und lassen Sie sie etwas langsamer werden, gerade genug, damit der Welpe sie packen und den Lappen im Maul halten kann.

Es ist möglich, über einen Click das Beißverhalten zu verstärken. Ziehen Sie freundlich an dem Lappen, um den Hund zu ermutigen, den Lappen festzuhalten. Sie wollen den Lappen dem Welpen nicht aus dem Maul reißen, nein, Sie möchten nur genug Zug ausüben, damit der Welpe darum kämpft, den Lappen für ein paar Momente zu halten.

Lassen Sie den Lappen dann fallen und ziehen Sie einen zweiten Lappen aus Ihrer Tasche. Der erste Lappen stirbt nun - der ganze Spaß verschwindet von dem ersten Lappen. Nun wird der zweite Lappen lebendig. All der Spaß, der von dem ersten Lappen ausging, ist nun in den zweiten Lappen übergegangen und fordert den Welpen auf zu kommen und eine Party zu feiern!

In dem Moment, wo Ihr Hund den ersten Lappen ausspuckt, clicken Sie und lassen ihn in den zweiten Lappen beißen. Spielen Sie das Zerrspiel für ein paar Momente.

Lassen Sie dann den zweiten Lappen fallen und heben den ersten Lappen auf. Lassen Sie nun wieder den Lappen in Ihrer Hand lebendig werden und warten Sie, bis der Welpe den anderen Lappen hat fallen lassen. Sobald der Welpe diesen fallen lässt, clicken Sie und lassen ihn abermals in den Lappen in Ihrer Hand beißen.

Spielen Sie das Spiel in dieser Art so lange, bis Ihr Hund den Lappen im Maul zuverlässig fallen lässt, wenn Sie mit dem Lappen in Ihrer Hand wedeln. Es kann sein, dass es gleich beim ersten Mal klappt, es kann aber auch mehrere Spieleinheiten dauern. Was meinen wir mit "zuverlässig den Lappen fallen lassen"? Das bedeutet, dass der Welpe bei fünf Versuchen den Lappen mindestens vier Mal sofort fallen lässt, wenn Sie mit dem anderen Lappen wedeln.

Dies ist nun ein guter Zeitpunkt, um ein Signal wie ""gib`s!" einzuführen (Achtung: Wenn Sie für eine Sportart trainieren, geben Sie noch nicht das Signal, das Sie für diesen Sport verwenden wollen). Sagen Sie, kurz bevor Sie mit dem Seil in Ihrer Hand wedeln, ""gib`s!" Ihr Welpe wird sehr schnell lernen, dass, wenn Sie "gib`s!" sagen, der Lappen aus dem Maul auszuspucken ist.

Es ist nützlich, wenn ein Welpe oder ausgewachsener Hund das Verhalten für "gib`s!" kennt. Wenn der Welpe zum Beispiel Ihre Unterwäsche aus dem Schrank klaut - oder die Hausaufgaben Ihrer Kinder (wirklich!) - ist es sehr nützlich, den Befehl "gib`s!" geben zu können, so dass der Gegenstand wieder freigegeben wird. Welpen sollten lernen, dass es sich immer lohnt, ein Objekt schnell aus dem Maul fallen zu lassen und dass es nach dem Befehl auch nicht immer einen Lappen in Ihrer Hand gibt, der wedelt.

Wahrscheinlich bekommt Ihr Hund die Vorstellung, dass er den Lappen in seinem Maul ausspucken muss, wenn zwei Dinge zusammen passieren: 1. Sie sagen "gib`s!" und 2. Sie haben einen anderen Lappen in Ihrer Hand. Sie wollen nun, dass der Hund den Lappen immer freiwillig ausspuckt, wenn Sie "gib`s!" sagen.

Sagen Sie "gib`s!" mit einem anderen Lappen in Ihrer Hand. Mit viel Glück wird Ihr Welpe den Lappen sofort aus seinem Maul fallen lassen. Sie können das in diesem Fall clicken. Nehmen Sie nun diesen Lappen auf und spielen Sie das Zerrspiel damit. Mit weniger Glück lohnt es sich oft, zu warten und still bis fünf zu zählen. Es besteht die Möglichkeit, dass der Welpe sich langweilt und/oder verwirrt ist und daher den Lappen fallen lässt. Clicken Sie das Verhalten dann und spielen Sie mit dem ausgespuckten Lappen das Zerrspiel. Klappt das auch nicht, geben Sie den Befehl "gib`s!" noch mal mit einem zweiten Lappen in Ihrer Hand. Versuchen Sie es eine Weile später wieder ohne einen Lappen in Ihrer Hand.

Generalisierung: alles, überall und zu jeder Zeit

Wir sind jetzt so weit, dass Ihr Hund gelernt hat, wie er am Lappen zerren und ihn auf ein Signal hin fallen lassen soll. Jetzt ist der Zeitpunkt da, wo wir anfangen, auch andere Objekte einzuführen - alte Socken, Tennisbälle, weiche Spielsachen, Quietschis, etc. Sie können auch anfangen, das Spiel in verschiedenen Umgebungen zu spielen - verschiedene Zimmer, Hinterhöfe, Vorgärten, Parks, angeleint auf dem Parkplatz, vor Ihrer Tierklinik, etc.

Genauso oft sollten Sie nun auch, statt zu clicken und das Spielzeug für das weitere Spiel aufzunehmen, clicken und mit Futter belohnen. Füttern Sie und nehmen Sie das Spielzeug auf. Warten Sie in paar Sekunden und laden dann den Welpen ein, weiter zu zerren.

Noch ein schnelles Wort zur "Wartezeit"— das Verhalten wird nach Aufforderung schnell gezeigt

Es gibt Hunde, die nicht sofort reagieren, wenn Sie den Befehl geben. Es lohnt sich, für diese Hunde frühzeitig einige Zeit zu investieren, um dieses Problem zu beheben. Beobachten Sie, wie lange Ihr Hund braucht, um auf den Befehl zu reagieren. Sagen wir, es sind vier Sekunden. Geben Sie Ihrem Hund fünf Sekunden, um zu reagieren. Gelingt das, clicken Sie und fahren fort zu spielen. Reagiert er nicht in dieser Zeitspanne, beenden Sie das Spiel und versuchen es später wieder.
Reagiert Ihr Hund bei fünf Versuchen zuverlässig vier Mal innerhalb dieser fünf Sekunden, reduzieren Sie die Zeit und setzen das Zeitfenster auf 4 Sekunden. Schrauben Sie nach und nach die Reaktionszeit nach unten, Sekunde für Sekunde, bis sie unterhalb einer Sekunde liegt. Behalten Sie dieses Niveau von nun an. (Wenn Sie zu diesem Thema, wie die Reaktionszeit verkürzt werden kann, mehr wissen wollen, finden Sie unter Karen's November Letter ein "concept of limited hold".

Wenn Sie nun dieses unterhaltsame Spiel in Ihrem Werkzeugkoffer haben, sollten sie darüber nachdenken, wie Sie es auch nutzen können. Die meisten Hunde lernen, das Zerrspiel wirklich zu lieben, so dass sich damit ein mächtiger Verstärker für andere Dinge (kommen, wenn gerufen oder am Ende eines Agility Parcours) ergibt. Wenn Sie in der Schutzhundausbildung, Obedience, Retrieving oder Flyball antreten, lohnt es sich, darüber nachzudenken, wie Sie das "gib´s!" in ein zuverlässiges "aus!" oder in ein Zurückbringen zur Hand umformen können.

Manche Hundebesitzer haben auch die Erfahrung gemacht, dass Zerrspiele sehr wirksam zur Stressreduktion während schwieriger Trainingseinheiten oder in anderen Zeiten von Stress eingesetzt werden können.

Spielen Sie mit den Regeln. Am wichtigsten ist es aber, dass Sie Spaß haben!

Zum Autor Aidan Bindoff ist der Herausgeber von Positive Petzine, einer kostenlosen Online-Ressource für Hundebesitzer und - trainer. Er lebt und arbeitet in Tasmania, Australien.


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